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Pech gehabt: Russisch lernen müssen

Hadmut Danisch
7.7.2011 0:16

Seltsamer Vorgang an sächsischen Schulen. Wieder sowas, wo ich erst mal lange drüber nachdenken muß bis ich weiß, was ich da für richtig und falsch halten soll.

17 Kommentare (RSS-Feed)

Chris
7.7.2011 0:37
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Scheinbar hat man in Sachsen ein Problem damit, dass manche Klassen/Kurse weniger als 25 Schüler/Teilnehmer haben. Qualität in der Bildung gibts da wohl nicht.


Phil
7.7.2011 0:38
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Ich glaube die Schule trifft da wenig Schuld. Die muss hat die Schulordnung/ das Landesschulgesetz befolgen.

Das Argument DDR ist Schwachsinn. Hat damit nichts zu tun.
Ebenso wie jetzt kann sie ihre Freundinnen nicht mehr sehen… wenn sie in zwei Jahren wegzieht auch nicht mehr.

Das Argument mit dem absehbaren Schulwechsel ist nachvollziehbar und sollte von der Schule berücksichtigt werden. Zumindest in meiner Schule wurde auf solche “Spezialfälle” Rücksicht genommen.

Allerdings ist auch die Frage, ob man nicht einfach eine 21-er Klasse gemacht hätte. Wir waren auch nur 11 im Physik-LK. Ich denke dass man die 4 Schüler auch noch im Französisch Kurs untergebracht hätte.

Das mit dem Tauschen hört sich gut an. Bei 1,3 km kann man sogar noch zu Fuß dahin kommen. Dies wäre ein pragmatische Lösung.

Ich hoffe mal, dass der Herr mit seiner Klage nicht durchkommt. Sonst fangen bald alle Eltern an, bestimmt Angebote einzuklagen, die schlicht nicht zu erfüllen sind. Dies würde bedeuten, dass man dann nur noch einen Studiengang pro Schule anbieten könnte, weil es sonst ja immer zu Engpässen kommt. Denkt man den Gedanken weiter, dann muss dies sogar bundesweit vereinheitlicht werden. Denn sonst besteht ja zwischen Herrn Dampf und Herrn Mayer, welcher zwei Straßen weiter und damit im anderen Schulgebiet wohnt, keine Chancengleichheit mehr.

Oder wie heißt es so schön in Dantons Tod: Damit alle gleich sind, willst du jetzt jeden Kopf abschneiden, der ein bisschen über der Menge herausragt. (Danton zu Robespierre)


Anna Freud
7.7.2011 0:42
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Das erste, was mir gleich als Frage kam: verstößt das Zwangserlenen einer Sprache (ohne Auswahl und egal ob Erst-, Zweit- oder Sonstwievieltesprache) nicht irgendwie gegen Art. 2 GG, freie Entfaltung der Persönlichkeit?

Und sind wir wohl echt so unfähig, 21 statt 25 Kindern russisch beizubringen?

Kann man dann jemanden aus Quotengründen auch zum Religionsunterricht zwingen, weil da noch 3 Kinder fehlen?

Nichts als Kopfschütteln…


Matthias
7.7.2011 8:41
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@Anna: Dann sollte man am besten die Schule gleich ganz abschaffen. Irgendwer wird sich immer finden und das Zwangserlernen von Mathe, Deutsch und Co. als Einschränkung in der Entfaltung der Persönlichkeit empfinden.


nullplan
7.7.2011 10:23
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Was gibt es da groß nachzudenken?

Punkt 1: Der Spiegel versucht sich an BILD-Niveau (mit dem DDR-Argument). Das gleiche könnte auch woanders passieren, wären die Regeln dort gleich. OK, die DDR-Vergangenheit hat mit der Verfügbarkeit von Russisch-Lehrern zu tun, aber sonst eher nix mit der Situation. (BTW: Was bietet man eigentlich “im Westen” als zweite Fremdsprachen an?)

Punkt 2: Das Problem ist die Bürokratie, die Schulkurse unter 25 Teilnehmern verbietet. Das ist auf so vielen Ebenen kaputt! Zum einen Art. 2 GG, zum anderen eine “But Thou Must”-Situation? (so hier gemeint: http://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Main/ButThouMust)

Punkt 3: Wenn man umzieht und die Gymnasien in der Gegend nicht die zweite Fremdsprache anbieten, die man angefangen hat, muss man in die Realschule? Wie krank ist das denn? Nicht bei jedem stehen Umzüge 2 Jahre im voraus fest!

Und Annas Punkt ist auch nicht zu verachten: Geht sowas auch jenseits von Fremdsprachen? Wie sieht das bei der Wahl Geographie/Sozialkunde aus? (Ich weiß allerdings nicht, ob sich die Frage in Sachsen stellt. Ich ging in Sachsen-Anhalt zur Schule)


Anna Freud
7.7.2011 11:39
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@matthias:

Da kann man über den Schulzwang streiten. Und anführen, dass es den in den meisten Staaten der Erde nicht gibt (sondern Bildungszwang) und es da auch funktioniert (glaubt man diversen Studien auch viel weniger chancenungleich als in Deutschland).

Für mich ist das aber vor allem der Schutz der Kinder, der da im Vordergrund des Schulzwangs steht. Einmal wegen gesellschaftlicher Teilhabe der Kinder (gibt gleichgültige Eltern und aus dem Zwang entstehen auch Rechtsansprüche auf Unterstützung für Arme und es beugt Isolation vor), ein ander Mal wegen grundlegender Bildung in Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben, Rechnen. Die sind für Persönlichkeitsentfaltung durchaus nützlich. Kann man wieder drüber streiten, ob beides in der Schule wirklich erfüllt werden kann/wird (weil interne Selektion, die darauf baut, dass Einige verlieren, kaum Teilhabe und Bildung erhalten werden und die öffentlichen Schulen zunehmend Substanz verlieren).

Kurz, dieser Zwang zählt selbst auch zur Ermöglichung der Persönlichkeitsentfaltung. Das hat zwar auch was mit Arbeitsmarkterfordernissen zu tun (Arbeiter ausbilden, nicht nur gebildete Menschen hervorbringen) aber das ist eben der Preis. Man kann nicht alles haben.

Die Begründung des Schulzwangs ist aber keine bürokratische Rechnerei, die erforderlich macht, dass Art. 2 GG hier ambivalent verhandelt wird oder übergangen. Aus Rechnungsgründen aber zu (W.a.h.l.pflicht)-Fächern zu zwingen ohne Wahl gehabt zu haben, das ist schon mehr als bloßer Schulzwang. Zumal, wenn eine Schule anbietet (und sich damit profiliert) “Wir bieten Franzöisch und Russisch als 2. Fremdsprache” und dieses Angebot dann eben doch nicht besteht. Muss man nicht gleich Betrug nennen, aber einen Geruch hat es.

Der Vergleich mit der DDR bei Spon ist natürlich wirklich bescheuert. Selbst wenn da noch alte DDR-Funktionäre sitzen, ist die Situation eine ganz andere und auch die Begründung der Erfordernis eines Russisch-Zwangs. Die Begründung “Wir können nicht 4 Kinder zu wenig unterrichten” hätte man in der DDR nicht bringen können, das hätte das Gesicht gekostet.


yasar
7.7.2011 11:44
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Als Vater von 3 Gmynasialschülern kann ich dazu nur sagen:

Es ist ein Unding willkürlich Schüler auszuwählen und diese dazu zu zwingen eine andere Sprache zu lernen.

Die Situation ist doch folgende:

Es sind genügend Schüler da, die französich lernen wollen udn daß der Kurs zustandekommt. Es sind nicht genügend Schüler da, daß “russisch” zustandekommt. Also müßte die logische Schlußfolgerung sein, “kein russisch dieses Jahr”.

Allerdings ist es mir ein Rätsel, warum es nicht möglich sein soll, mit 21 Schülern russisch zu machen. Hier in Nord-Baden war es letztes Jahr so, daß die zukünftigen Sextaner schon vor den Ferien entscheiden sollten ob sie ab der 6. Klasse Französisch oder Latein als 2. Fremdsprache wollen. Das ist hier übrigens jedes Jahr ein willkommener Anlaß für Unstimmigkeiten, weil zu diesem Zeitpunkt die Entscheidungen im Wesentlich vomFreundeskreis und nicht vom Fach abhängen, insbesodnere da die Schüler aus mindestens einem Dutzend verschiedener Orte kommen und diese an der neuen Schule möglichst zusammenbleiben wollen (zumindest im ersten Schuljahr). Da wird dann durchaus mal im der gesammten Ort frnzösisch gewählt, damit die Schüler zusammenbleiben können.

Das ergabe letztes jahr, in dem mein Jüngster reinkam, drei Klassen, mit zweimal 30 “Franzosen” und einmal 20 “Lateinern” Da einer nicht mitbekommen hatte, wie seine Freunde abgestimmt haben, wurde flugs am ersten Schultag noch ein Wechsel von der Lateiner in eine Franzosenklasse organisiert.

Laut Schulleitung ist es zwar immer noch möglich sich für eine die jeweils andere Sprache zu entscheiden, aber da die Klassenbindung stärker als die Sprachvorliebe ist, wird es vermutlich so bleiben.

Zum Originalthema:

Daß der Spiegel hier auf BILD-Niveau ploemisiert ist eine Sache. Aber daß hier obwohl eine Französisch-Klasse zustandekommt, die Kinder zu Russisch gewzwungen werden sollen verstößt imho eindeutig gegen das GG. Es wäre anders, wenn nicht genug “Franzosen” da wären, um sinnvoll und mit vertretbarem Aufwand französisch zu lehren (wie es hier regelmäßig mit Latein als 3. Fremdsprache passiert ist. Mindesterfordernis 12 Schüler, meisten aber nur 8-10 Schüler daran interessiert).

Ich stelle mir das gerade mal mit Religion/Ethik vor:

Weil nicht genug Schüler für Islam-Unterricht oder Ethik vorhanden sind, werden die katholische Schüler dazu abgeordnet, sich da reinzusetzen, damit die Religionsvielfalt erhalten bleibt. Wetten, daß da sehr schnell Abhilfe geschaffen würde? (Abgesehen davon natürlich, daß ich viele Schüler kenne, die Religion lieber heute als morgen aus dem Lehrplan streichen würden).


yasar
7.7.2011 11:52
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@nullplan:

Zu Punkt3:

Das ist in BW Realität:

In der Rheinebene ist Französisch als erste Fremdsprache Pflicht, auch in den Grundschulen. Im Rest von BW Englisch. Die zweite (oder dritte) Fremdsprache kann je nach Schule Latein, (Alt-)Griechisch, Englisch, Französisch, Intalienisch, Spanisch, etc. sein. Hier bei uns ist die erste Englisch, die zweite latein oder französisch und die dritte, sofern der sprachliche Zug gewählt wird, erstmalig Italienisch, nachdem bisher für französisch oder Latein als dritte Fremdsprache immer zu wenig Schüler da waren.

Lau meinen Informationen ist es nun so, daß wenn man die “falsche” Schule wechselt, das Kind in kürzester Zeit verpflichtet ist, die passende Sprache “nachzulernen”. Auch die Realschule bringt da keine Linderung, da diese auch die “verdrehten” Sprachreihenfolgen haben.


yasar
7.7.2011 11:58
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Nachdem ich jetzt soviel geschrieben hatte, noch mal meine Meinung kurz zusammengefaßt:

Es ist durchaus legitim zu sagen, welche Sprachen an einer Schule gelehrt werden. Sofern die Schule z.B. nur Mandarin und Hindu anbietet, können die Schüler, besser deren Eltern sich nicht darauf versteifen, Inuktitut lernen zu wollen.

Wenn aber die Schule sagt, Ihr habt die Wahl zwischen Manderin und Inuktitut, dann muß sie die Wahl respektieren und notfalls, wenn zuwenige Mandarin gewählt haben, diese davon in Kenntnis setzen, daß diese Inuktitut zu lernen haben und nicht umgekehrt.


J.
7.7.2011 13:02
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Zu BW: Ich dachte, da gab es mal eine erfolgreiche Klage (jedenfalls ein erfolgreiches Eilverfahren) …


Christian
7.7.2011 15:22
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@J.
Fürs Gymnasium wurde wieder auf Englisch umgestellt, in der Grundschule wird weiterhin Französisch unterrichtet.


yasar
7.7.2011 15:47
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http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,496165,00.html

Ja, die Pflicht ist gekippt. Die Schulen “können” Englisch als erste Fremdsprache anbieten, müssen aber nicht. 🙁

http://www.studienkreis.de/service/schulsysteme/artikel/das-schulsystem-in-baden-wuerttemberg.html gibt da mehr Infos:

Die Gymnasien “können”(!) mit Latein, Englisch, oder Französisch als erster Fremdsprache beginnen.


Horstkevin
7.7.2011 15:51
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Also nur weil das manchmal irgendwie nicht bekannt zu sein scheint. SPON=BILD. Spiegel!=Bild.


Matthias
7.7.2011 16:19
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Da muss ich dir widersprechen Horstkevin. Seitdem ich in Karlsruhe bin (mein Gott, schon sechs Jahre), habe ich den SPIEGEL abonniert und was die letzten beiden Jahre so veröffentlicht wurde, ist das Papier nicht wert auf dem es gedruckt wurde. Da reicht schon der Blick auf das Titelthema der aktuellen Woche…


yasar
7.7.2011 17:33
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Also Spiegel “lese” ich nur noch im Arztwartezimmer, genauso wie ich die BILD nur beim warten auf die Pizza in der Dönerbude lese. Warum?
Weil man seine Vorurteile bestätigt haben will und mir der Informationsgehalt dieser Blätter zu gering für das Geld ist. 🙂


der andere Andreas
8.7.2011 10:42
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naja bei der BILD hat man immerhin was zu gucken^^

und der politikteil ist eigentlich ganz lustig wenn man ihn als satiere versteht 😛


Horstkevin
8.7.2011 13:10
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Ich find es aber immer zu geil, wie sich meine akademischen Freunde ueber das fundamentale Wissen des SPON erwaermer. “Hab ich neulich im Spiegel gelesen …” (Ne Du Depp, hast Du nicht – Du hast im SPON gelesen). Und dann ziehen sie ueber die “Bild” Leser her. Als ob jeder, der die Bild liest, dumm ist. Und die schnallen es einfach nicht, dass die Artikel zuweilen wortgleich sind. Naja, hoffentlich machen sies in der Diss besser 😉