Forschungsmafia: Titelhandel · Forschungsbetrug · Wissenschaftskorruption · Hochschulkriminalität

Politik erwürgt Wissenschaft

Hadmut Danisch
11.11.2011 11:01

Auf Freitag.de erschien ein Artikel über ein Buch eines Soziologen (!) darüber, daß die von der Politik eingeführte Kapitalisierung die Wissenschaft erdrückt. Ich bin mir da etwas unschlüssig.

Ich bin mir da nämlich noch nicht so ganz und abschließend sicher darin, was ich da für richtig und falsch halten soll.

Eigentlich nämlich halte ich die Universitäten für eine Brutstätte von Schwätzern, Hochstaplern, Scharlatanen und Pseudowissenschaftlern, weil das eben früher so war, daß sich da Leute ohne jedes Können und mit rein selbsternannter Qualität mit Verbeamtung auf Lebenszeit einnisten, ohne jede Kontrolle im eigenen Saft schmoren, Geld verbrauchen, Studenten zerquetschen, tun und lassen, was sie wollen. Ein Biotop für Leute, die eigentlich nichts können, wofür irgendwer etwas bezahlen würde, weil es keinen Nutzen hat (und anders, als viele Schöngeister behaupten, auch keine geistige Tiefe hat, sondern eher im Bereich der Masturbation zu verorten wäre.) Ich gehör(t)e selbst zu den Leuten, die diese nutzlose Beschäftigungstherapie für beendenswürdig halten und den Focus auf das greifbare, nützliche zu legen.

Anscheinend sahen das in der Politik (oder der dahinter stehenden Wirtschaft) einige ähnlich wie ich.

Allerdings mit der Konsequenz, daß man das nun in ein großes Bordell umgewandelt hat, jetzt zählt nur noch die Menge der Drittmittel, die Leute einwerben, egal wie.

Die Qualität hat sich nicht verbessert, nur die Ursache dafür, daß Schrott produziert wird, wurde gegen einen andere ersetzt. Vielleicht gut gewollt, aber schlecht gemacht.

Was mich vor das argumentative Problem stellt zu klären, was ich eigentlich will. Gar nicht so einfach. Wie würde eine gute Wissenschaft aussehen? Nichts zu produzieren ist freilich nichts. Auf Teufel komm raus ständig neue Publikationen zu feuern ist aber genauso Mist. Erinnert mich an den Gag aus der DDR, wo das Produktionssoll im Plan für die Schraubenfabrik nach Stückzahlen vorgegeben wurde, und sie dann nur ganz kleine Schrauben produziert haben. Weil aber die benötigen Schrauben in den gängigen Größen nicht produziert wurden, ändert man den Plan und stellte das Soll von Stückzahlen auf Gesamtgewicht der produzierten Schrauben um. Da produzierte die Fabrik nur noch ganz große Schrauben, und die benötigten Schrauben der „normalen” Größen fehlten wieder. Einfach weil dann, wenn Leute nicht an der Sache, sondern nur an ihrer Bequemlichkeit interessiert sind, jedes beliebige Ziel ad absurdum geführt wird. Leute, die nicht vernünftig produzieren wollen, wird man dadurch auch nicht dazu bringen.

Mich erinnert das etwas an die Wahl zwischen Kommunismus und Kapitalismus. Der Kommunismus ist gescheitert, weil er seine Ziele weit verfehlt hat und von den Leuten an den Machtstellen mißbraucht wurde. Der Kapitalismus scheitert aber gerade aus denselben Gründen.

Letztlich läuft es darauf hinaus, daß da einfach die falschen Leute in den Universitäten sitzen, aber das Problem ungelöst ist, wie man sie mit den richtigen besetzt. Zielvorgaben in die eine oder andere Richtung können das Problem da auch nicht lösen.

(Danke für den Link!)

2 Kommentare (RSS-Feed)

Ursula
11.11.2011 12:20
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Sehr gut beschrieben, einschließlich dem Schraubenbeispiel. Der Knackpunkt ist in der Tat der, dass die falsche Motivation unerwünschte Ergebnisse nach sich zieht. Am effektivsten ist intrinsische Motivation, egal ob in Forschung oder Wirtschaft. Aber wie schaffen wir es, möglichst vielen Menschen zu ermöglichen, genau das zu machen, was sie am besten können und mit Lust und Liebe tun, und zwar so, dass sie davon auch gut und angemessen leben können? Wobei die Frage, was denn angemessen sei, auch wieder gesellschaftlich beantwortet werden muss, der reine Verweis auf Angebot und Nachfrage versagt da ganz offensichtlich.


Boris
11.11.2011 18:07
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Es stellt sich die Frage wie kommt man zu einer tragfähige Balance zwischen Anreizen, Kontrollen/ Bewertungen und verantwortungsvollen Handeln mit dem Ziel einer bestmöglichen Abstimmung von Angebot und Nachfrage?

Letzendlich kann es nur einen Mittelweg aus o.g. und evtl. weiteren Komponenten geben.

Mit Anreizen alleine (siehe Boni bei Banken) erzielt man nicht immer den erwünschten Effekt. Daher müssten Anreize an langfristigere Ziele eines größeren Nutzerkreise gekoppelt sein. Hinzu kommt, dass wie bei der Diskussion um die W-Besoldung erkennbar, bestehende Besitzstände stets vehement verteidigt werden.

Kontrolle und Bewertungen: Ohne irgendeine Form der Kontrolle und Bewertung wird es m.E. nicht gehen. Allein auf den Arbeitsethos und Moral der Akteure zu vertrauen hat nicht immer zum Ziel geführt (siehe obige Schrauben). Nichtsdestoweniger gilt es auch hier das richtige Augenmaß zu behalten. Am Besten wäre es, wenn man die Akteure auffordert selber Kriterien aufzustellen anhand derer sie sich bewerten lassen wollen. Für Hochschulen wäre es schon mal ein Fortschritt, wenn hier die Lehre gegenüber der Forschung eine angemessene Gewichtung erhalten könnte.

Angebot und Nachfrage: Wie sehr dieses Konzept daneben gehen kann sieht man an den ganzen künstlich erzeugten und gepushten Nachfragen (Klingeltöne!?!) der vergangenen 20 Jahre. Eine hohe Nachfrage und ein entsprechender Preis belegt nicht unbedingt eine hohe Wertigkeit oder hohen Nutzen (wer benötigt, abgesehen vom Goldschied tatsächlich Edelmetalle etc.?).

Übertragen auf Forschund und Bildung heißt dies z.B. nur weil zeitweilig fast jeder 2. Teenager Supermodel oder Superstar werden möchte benötigen wir noch keine Studiengänge “Catwalk”, “Luftgitarre” oder in “10 Meter blöde gegen den Wind gucken”. Andererseits nur weil sich jemand gerne mit dem sprichwörtlichen Fress- und Paarungsverhalten der Waldameisen im Paläozoikum beschäftigen möchte muss dies auch nicht zwingend über meherer Dekaden mit millionenschweren Forschungsstipendien unterstützt werden.

Ich denke mit etwas gesunden Menschenverstand, guten Willen sowie der Verpflichtung zu maximaler Transparenz läßt sich ein einigermaßen tragfähiger Kompromiss finden. Einen Königsweg wird es nie geben aber es wäre schon viel gewonnen, wenn Kriterien, Verfahren, Interessen und Ziele im Vorfeld bekannt wäre und nicht wie derzeit leider sehr häufig im Hinterzimmer verabredet werden.