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Initiative Transparente Wissenschaft

Hadmut Danisch
28.3.2011 14:19

Schon wieder die Österreicher: Sie haben eine Initiative Transparente Wissenschaft gegründet, und auch schon erste Erfolge erzielt. Ein Fortschritt. Bei uns in Deutschland ist alles eher undurchsichtig.

7 Kommentare (RSS-Feed)

Volker Rieble
29.3.2011 11:37
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Transparente Wissenschaft durch ein anonymes und also intransparentes Blog, bei dem nur einige wenige, die wie Herr Danisch und ich angemailt worden sind, wissen, wer dahinter steht?
Und das auch noch mit folgender Bitte: “Wir bitten Sie aber, im Sinne des Netzgedankens diese Namen bei etwaiger Berichterstattung nicht zu erwähnen.” Der Netzgedanke verlangt also Anonymität, damit diejenigen, die mit Plagiatvorwürfen über andere herziehen ihrerseits für eigene Fehler in einer Publikation nicht geradestehen müssen? Das ist eine merkwürdige Asymmetrie!
Wer Qualität und Verantwortung einfordert, muß diese auch selbst einlösen!


Johnathan
29.3.2011 15:52
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QUOTE von Hadmut Danisch am 10.12.2010 20:36
forschungsmafia.de/blog/2010/12/10/wissenschaftsfalscherei-wikipedia/
[…] Dazu kommt noch, daß die sich fast alle hinter Pseudonymen verstecken. Spätestens seit ich diese Blogs hier betreibe, bin ich auf Pseudonyme und Anonyme gar nicht mehr gut zu sprechen, weil sich daraus in Deutschland so ganze Subkultur des Pöbelns, Trollens und Lobbyierens entwickelt hat. […]


Stefan Weber
29.3.2011 16:13
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Lieber Herr Rieble,

1) Die “Initiative Transparente Wissenschaft” betreibt kein “Blog”, wie Sie schreiben, sondern ein Wiki.

2) Es wurde in allen österreichischen Medien gemeldet, dass die Gründer Prof. Herbert Hrachovec, Prof. Gerhard Fröhlich und ich sind. Siehe etwa: http://derstandard.at/1297819768145/Plagiatsjaeger-machen-mobil

3) Ich halte tatsächlich eine Art “Impressum” oder einen Verweis auf “Gründerväter” bei einem Wiki für nicht relevant bzw. widerspricht es m. E. der Idee der offenen Editierbarkeit. Falls ich mich hier irre und es ein Impressum geben sollte, wird das freilich nachgeholt. Auch wir lernen mit solchen Projekten!

4) Bei dem Satz, den Sie hier zitieren und der aus einer Mail stammt, die ich selbst Ihnen geschickt habe, dachte ich an die Anonymität des GuttenPlag Wikis.

5) Ihre Passage “damit diejenigen, die mit Plagiatvorwürfen über andere herziehen ihrerseits für eigene Fehler in einer Publikation nicht geradestehen müssen” erscheint mir sonderbar. Welche Fehler in welcher Publikation meinen Sie?

Falls es sich um eine meiner Publikationen handeln sollte, diskutiere ich das gerne mit Ihnen hier öffentlich!

Mit freundlichen Grüßen

Stefan Weber


Volker Rieble
31.3.2011 12:34
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Lieber Herr Weber,

Ihr wiki nennt die Initiatoren und Betreiber nicht. Daß Sie in der österreichischen Presse als Mobilmacher gesehen werden, ist dem unbefangenen Leser nicht ersichtlich.

Schon beim Guttenberg-Wiki fand ich es reichlich feige, daß die Angreifer nicht zu ihrem Vorwurf stehen. Denn ein Vorwurf kann auch einmal falsch sein, und dann muß sich der Autor des Plagiatvorwurfes dafür wenigstens publizistisch verantwortlich zeigen. Nur das meinte ich.
So ist es erstaunlich, daß in Ihrem Wiki eine Raubkopie von Kockelmans: Gedanken zur Frage: „Wozu Philosophie?“ auf dem einschlägigen Server scribd verlinkt wird (und dann auch noch mit dem unschuldigen „dokumentiert in“). Ist Herr Kockelmans mit dieser Veröffentlichung einverstanden? Auch andere Originale sind dort zu finden (etwa Reinhard Stewig, 1983, Die Stadt in Industrie- und Entwicklungsländern). Funktioniert der Wikigedanke nur, wenn die Wikianer alles am Bildschirm erledigen können und keine Bibliothek aufsuchen müssen. Auch die Dissertation Hahn ist bei scribd zu finden … drei mal dürfen wir vielleicht raten, wer diese dort schon früh eingestellt hat. Man kann Rechtsverletzungen nicht mit Rechtsverletzungen bekämpfen. Anders gewendet: Jene wiki-Betreiber verstricken sich selbst in Fragwürdigkeiten, die sie doch zuerst bei anderen sehen.
Wenn dann wie etwa gegenüber der Plagiatorin Veronika Saß Mutmaßungen anonymer Blog-„Attentäter“ folgen, die Geldflüsse behaupten, ohne daß es dafür einen Beleg gibt oder anderes ins Dunkel der Nacht phantasieren, dann geht das zu weit.
Und deshalb habe ich für Ihren Satz aus der Mail kein Verständnis. Transparenz durch Intransparenz?
Meine von ihnen als „sonderbar“ befundene Passage bezieht sich logischerweise nicht auf konkrete Publikationen aus Ihrer Feder (mit Autorbezeichnung), sondern gerade auf das was anonym im wiki oder in einem blog steht und wogegen sich der Angegriffene nicht wehren kann, wenn der Angreifer sich mit Anonymität vermummt. Wissenschaft lebt von der individuellen Verantwortung auch des Kritikers.

Viele Grüße
VR


Stefan Weber
31.3.2011 21:15
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Lieber Herr Rieble,

Sie sprechen hier ein durchaus interessantes und wichtiges Thema an (Urheberrechtsverletzungen im Netz, damit Urheberrechtsverletzungen dokumentiert werden können), und ich verstehe Ihre Sicht als die eines Juristen.

Mein Problem ist aber, dass Sie nun schon zum zweiten Mal sehr oberflächlich recherchiert haben. Wir alle haben wenig Zeit – klar. Aber gerade wenn wir im Netz diskutieren und das dokumentiert bleibt, sollten wir versuchen, so genau wie irgend wie möglich zu sein.

Sie schrieben “Wenn dann wie etwa gegenüber der Plagiatorin Veronika Saß Mutmaßungen anonymer Blog-‘Attentäter’ folgen, die Geldflüsse behaupten (…)” und meinten damit offenbar diesen Blog (wenn ich irre, korrigieren Sie mich bitte – ich habe es zumindest nirgendwo anders implizit gelesen):
http://blog.nz-online.de/vipraum/2011/03/26/wo-lasst-die-csu-dissertationen-schreiben/

Aber wo ist hier der anonyme ‘Attentäter’? Auch in diesem Blog ist doch der Blogger transparent, siehe Kasten rechts in der Mitte, dort steht “Peter Viebig” mit Foto. Google verrät uns, dass es sich um einen Journalisten der “Nürnberger Zeitung” handelt. Er schrieb also hier offenbar etwas, das er in der Zeitung nicht schreiben konnte oder wollte. Das aber ist das Wesen des Bloggens!

Und ich finde auch, dass wir die beiden von Ihnen angesprochenen Aspekte in der Diskussion trennen sollten:

1) Urheberrechtsverletzungen, damit Originalstellen, die plagiiert wurden, dokumentiert werden können (ich war damit immer sehr vorsichtig, aber ich gestehe, dass sich das seit Guttenberg aufgeweicht hat. Die Originalstellen, von denen Hahn abgeschrieben hat, sollten auch zunächst auf scribd ‘künstlerisch verfremdet’ werden.)

2) Die Anonymität von Bloggern und Wiki-Aktivisten

Grundsätzlich werden Sie mir Recht geben, dass Plagiate objektiv dokumentiert werden können, und ob das nun ein Student macht oder ein Rentner, ein SPDler oder ein CDUler, tut überhaupt nichts zur Sache.

Sie kritisieren ja hier eine generelle Tendenz im Netz, die Denunziationskultur der Blogosphäre (die ich übrigens in einem Kapitel meines Buchs “Die Medialisierungsfalle” auch kritisiert habe).

Aber bei den gegenwärtigen Plagiatswikis kann ich so eine Tendenz eben gerade nicht erkennen. Vielleicht liefern Sie (endlich) klare Beispiele, wo diese Tendenz ersichtlich wird, die Sie kritisieren.

LG
sw


[…] Umfang tun kann ist eine juristische Frage Ohne ein Einverständnis des Betroffenen wird eine Forschungsmafia » Blog Archive » Initiative Transparente WissenschaftIst Herr Kockelmans mit dieser Veröffentlichung einverstanden Auch andere Originale sind dort […]


Marcusb
17.4.2011 5:33
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Lieber Herr Rieble,

die traditionellen Institutionen haben eine lange Zeit gehabt, sich zu etablieren und Schutzmechanismen zu entwickeln. Die Presse schützt ihre Quellen, Firmen haben Kapital, und die Universitäten haben Forschungsfreiheit. Alle diese Gruppen haben professionelle Rechtsabteilungen, Abteilungen für die Öffentlichkeitsarbeit und ein dichtes Unterstützernetzwerk. Sie haben über Jahrzehnte in Deutschland auf die Gesetzgebung eingewirkt und sich Raum geschaffen, um Schaden von den Individuen abzuwenden.

Als junges Medium haben wir dies alles nicht. Wir sind ein loser Verbund freiwilliger Aktivisten, die für diese Mühen als Lohn nur etwas Ruhm und Dankbarkeit bekommen, und das Gefühl, die Welt ein bischen gerader zu rücken. Den Schutz, den Sie und andere in oben genannter Form erhalten, haben wir nicht. Nur deshalb arbeiten wir mit leidlich geschützten Pseudonymen, welche oft einer selbst oberflächen Nachforschung kaum zu widerstehen vermögen. Aber so halten wir uns die Drohbriefe vom Hals, die Prof. Fischer-Lescano ertragen musste, und sorgen dafür, dass wir die Kommunikation mit der Aussenwelt über die Internet-Infrastruktur kanalisieren können.

Ich vermute, ihre Überreaktion gegen uns ist das Ergebnis aus Unkenntnis darüber, wer wir sind, und wie wir arbeiten. Sie sind herzlich eingeladen, mal bei uns vorbeizuschauen und mit uns direkt zu reden. Vielleicht arbeiten sie einfach ein bischen mit und lernen uns kennen. Dann können sie hoffentlich ihre Vorurteile abbauen und aus eigener Erfahrung feststellen, wieviel Integrität, Professionalität und Fleiß diese Arbeit voraussetzt.

Wir erschaffen unsere Glaubwürdigkeit allein durch die Zuverlässigkeit der Ergebnisse, welche, und daran sollten sie sich wirklich ein Beispiel nehmen, in Echtzeit und transparent öffentlich dokumentiert sind. Fernab von Anonymität ist jede Veränderung in der Datenbasis minutengenau einem Benutzer eindeutig zuzuordnen, und die gesamte Veränderungshistorie ist auf Dauer verfügbar gespeichert.

Die Herausforderung für Sie ist nicht, unsere Identität herauszufinden, sondern einen Weg, um diese hohen Standards auch an den Universitäten einzuführen, die jetzt blamiert sind, weil sie wichtige technologische Trends verschlafen haben.