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zu Guttenberg: Kuhhandel statt Ghostwriter?

Hadmut Danisch
24.2.2011 1:57

Viele vermuten, daß zu Guttenberg einen Ghostwriter beauftragt hat, der schlampig arbeitete, wovon zu Guttenberg selbst überrascht worden sein soll. Mir kommt inzwischen aber ein anderer Verdacht.

Zwei Umstände finde ich ungewöhnlich:

  • Wie der Tagesspiegel berichtet, war zu Guttenberg über die Rhön-Klinikum AG gleichzeitig Student und Sponsor und Stifter eines Lehrstuhls, der der rechtswissenschaftlichen Fakultät zugeordnet war. Also ein Geldgeber der Fakultät, an der er promoviert hat.
  • Wie beispielsweise hier zu lesen ist, hat zu Guttenberg seine Promotionsurkunde – und damit den Doktor – schon direkt nach der Prüfung am 27.2.2007 erhalten. Die Dissertation wurde aber erst am 28.1.2009 veröffentlicht und das Promotionsverfahren beendet. Dazwischen liegen knapp zwei Jahre.

Anders als es die Uni Bayreuth da darstellt, ist das nicht normal. Ich kenne keinen einzigen Fall, in dem jemand seinen Doktor vor der Veröffentlichung erhalten hat. Normalerweise hat man nach der Prüfung ein Jahr Zeit, um seine Dissertation in einen veröffentlichungsfähigen Zustand zu bringen. Eine weitere Verlängerung ist selten und auch nur in manchen Promotionsordnungen möglich.

Wie aber kann man 2007 eine Promotionsprüfung mit „summa cum laude” bestanden haben, wenn man danach noch fast zwei Jahre braucht, bis die Dissertation tageslichttauglich ist, und sie erst auf den allerletzten Drücker veröffentlicht wird?

Zu Guttenberg sagte, er habe die Dreifachbelastung als Doktorand, Politiker und Familienvater unterschätzt und sei überlastet gewesen. Vielleicht ist da mehr dran, als man so glaubt.

Wäre nicht folgende Variante plausibler als die Ghostwriter-Theorie mit dem „großen Unbekannten”?

Stellen wir uns vor, zu Guttenberg war faul (weil reich), hat sich an der Uni und sonstwo rumgetrieben, aber nicht wirklich was gearbeitet. Als Stifter eines Lehrstuhls wollte ihm die Fakultät (wie das heute so üblich geworden ist) einen Doktor verpassen. Normalerweise gibt es für Geld einen Dr. h.c., aber wer sich das Haar mit Pomade zurückkämmt, will auch einen echten Doktor haben. Das h.c. sieht so blöd aus. Und gerade mit dem Einstieg in die Politik mußte der Doktor mal ganz schnell auf das Namensschild.

Als könnte man sich in Bayreuth auf einen Deal mit ihm eingelassen haben. Vielleicht war das dann so, daß man ihm den Doktor gleich als Geschenk hübsch einwickelte, damit es mit der Politik-Karriere vorangehen kann. Und die Dissertation, ja, die soll er halt später mal vorbeibringen. Paßt schon, wie man in Bayern so sagt.

Nun war er eben Doktor, und Familienvater, und Politiker, und die Zeit war knapp und flog so dahin. Und er wurde immer populärer und kam auf die Titelseiten der Illustrierten. Und plötzlich war das erste Jahr vorbei. Also hat er Verlängerung beantragt. Aber auch das zweite Jahr ging schnell vorüber.

Er fuhr auf die Wand zu. Denn auf mehr als zwei Jahre kann man die Veröffentlichungsfrist nicht verlängern, dann ist der Doktor verfallen. Zudem die Arbeit ja auch immer mehr und die Zeit immer weniger wurde.

Was aber, wenn die Zweijahresfrist ablief und der Doktor futsch wäre? Undenkbar, das wäre ja sooo peinlich, zwei Jahre mit dem Doktor herumgelaufen zu sein, und ihn dann plötzlich wieder abgeben zu müssen. Aber die Zeit wurde auch immer knapper. Was also tun?

In der Situation könnte man doch auf die Idee kommen, einfach mal schnell alles übers Wochenende zu verwursten, was man zu Hause im Büro so rumliegen hat. Gutachten vom wissenschaftlichen Dienst des Bundestages, Zeitungsartikel, Reiseführer von Alaska. Egal, alles in den Fleischwolf, liest sowieso keiner so genau. Hauptsache man kommt auf Volumen und es sieht nach Text aus.

Das würde so ziemlich viel davon erklären. Auch zu Guttenbergs Rumgedruckse und seine Ausrede mit der hohen Belastung. Weil der den Doktor schon hatte bevor die Dissertation fertig war und er dann in größte Zeitnot kam.

Das würde allerdings bedeuten, daß die Prüfer ihm die Note blanko, auf Vertrauen gegeben haben. Hätten sie eine ernsthafte Prüfung vorgenommen, wäre die Dissertation nicht zwei Jahre von ihrer Veröffentlichung entfernt gewesen. Zwei Jahre zwischen Prüfung und Veröffentlichung heißt, daß die Prüfung Schwindel war, weil die Dissertation nicht fertig gewesen sein kann. Daß etwas anderes veröffentlicht wird als geprüft worden sein kann.

So eine Blanko-Bewertung würde auch erklären, wie man für so ein Patchwork-Geklebe ein „summa cum laude” bekommen konnte. Weil die Prüfer die Arbeit (wie so häufig) gar nicht erst gelesen, sondern die Note ausgehandelt haben? So für gute Freunde und Sponsoren der Fakultät?

Na, und weil im CSU-Land Bayern die Amigos auf sich achten, bekam der liebe Blanko-Doktorvater vom Ministerpräsidenten Stoiber, der sich sooo sehr einen neuen kleinen Dr. Minister gewünscht hatte, genauso blanko (und ohne Begründung) den bayerischen Verdienstorden.

Hach ja…

(Würde übrigens auch bedeuten, daß da nicht zu Guttenberg, sondern eher die Uni und Stoiber dahinterstecken, und zu Guttenberg die Schuld gerade mehr oder weniger allein auf sich genommen hat, was ihm wohl anfangs als „abstrus” vorkam. Dafür sorgt man im Hintergrund dafür, daß er nicht zu tief fällt.)


46 Kommentare (RSS-Feed)

langjähriger Leser
24.2.2011 6:42
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Auch interessant (wenn auch hier eigentlich OT):

Gerade als Kommentar im Guttenplag-Wiki gefunden:

========== schnipp =============
Nächster Skandal – Zu Guttenberg belohnt BILD mit einem Werbeauftrag?
========== schnipp =============

Quelle: http://www.presse-kostenlos.de/politik-und-gesellschaft/item_19241.htm

Es wird kurz beschrieben, dass es eine exklusive Werbekampagne in Springer Medien geben soll und zwar für das Verteidigungsministerium. Nur scheinbar lief alles ohne Ausschreibung, usw…..
Einfach mal lesen.

Im Artikel finden sich auch schöne Links auf FTD und eine weitere Webseite mit Hintergrundinfos.


langjähriger Leser
24.2.2011 6:56
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Ebenfalls wieder OT, aber auch äußerst interessant:

Wurde auf folgenden Artikel im Focus hingewiesen mit folgender Überschrift:

Karl-Theodor zu Guttenberg – Auf du und du mit Tom Cruise und Katie Holmes

Quelle: http://www.focus.de/panorama/vermischtes/karl-theodor-zu-guttenberg-auf-du-und-du-mit-tom-cruise-und-katie-holmes-_aid_453617.html

Zitat:
=========== schnipp ==========
Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und seine Frau Stephanie haben Freunde in Hollywood. Die Frau des CSU-Politikers bestätigte in einem Interview, dass die Guttenbergs mit Tom Cruise und Katie Holmes befreundet sind.
=========== schnipp ==========

Sollte man als Minister tatsächlich einen führenden Scientologen zum Freund haben? Vielleicht eine schlechte Auwahl der Freundschaft!

Auf Abgeordnetenwatch gibt er diesbezüglich natürlich keine Antwort zu den Nachfragen.


HF
24.2.2011 7:38
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Aha !
Jetzt muss nur noch geklärt werden, welche Termine KTzG in der Weihnachtszeit 2008/2009 wahrgenommen hat. 🙂 Mühevolle Kleinarbeit am Küchentisch?


[…] selbst überrascht worden sein soll. Mir kommt inzwischen aber ein anderer Verdacht…  Mehr LikeSei der Erste, dem dieser post […]


Stefan W.
24.2.2011 8:17
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Hier http://julius-hensel.com/tag/guttenberg-titelmissbrauch-200611/ wird unter Bezug auf die wayback-machine behauptet, er habe den Titel sogar schon 2006 geführt.

Wenn der Titel da aber schon bezahlt war spricht ja eigentlich nicht viel dagegen.


Was ist Aristokratie? Die Aristokratie, ich werde es Euch sagen! Die Aristokratie ist der Bund, die Vereinigung derer, welche genießen wollen, ohne zu schaffen, leben wollen, ohne zu arbeiten, alle Ämter begehren, ohne sie ausfüllen zu können, alle Ehren beanspruchen, ohne sie verdient zu haben: das ist Aristokratie!
Maximilien Foy, (1775 – 1825), französischer General und Staatsmann

Früher hieß es einmal: Noblesse oblige! Aber das ist auch längst GEschichte.


Was ist Aristokratie? Die Aristokratie, ich werde es Euch sagen! Die Aristokratie ist der Bund, die Vereinigung derer, welche genießen wollen, ohne zu schaffen, leben wollen, ohne zu arbeiten, alle Ämter begehren, ohne sie ausfüllen zu können, alle Ehren beanspruchen, ohne sie verdient zu haben: das ist Aristokratie!

Maximilien Foy, (1775 – 1825), französischer General und Staatsmann

Viele Märchen fangen an mit “es war einmal…. : Noblesse oblige! Das war einmal.


Wirklich toll aufgelistet. Klingt sehr plausibel und sehr informativ.

Wo aber ist Häberle?

Bormann hatte auf der vorigen Pressekonferenz erwähnt, dass der von allen so hochgeschätzte Prof. Häberle auf einer Auslandsreise sei und momentan nicht erreichbar.

Merkwürdiger Fall!


Frank Fischer
24.2.2011 9:39
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Klingt für mich plausibel. Was noch dazu paßt: (1) die pauschale Ehrenerklärung des Doktorvaters für seinen sauberen Schützling. (War wohl im “Paket” mit drin). Häberle ahnte natürlich, was los war, glaubte aber irrigerweise, mit seinem Wort als “Großordinarius” die Sache noch abwürgen zu können. (2) die Blitz-Aberkennung durch die Uni. Sowas dauert gern mal Jahre, etwa beim Schwerte/Schneider-Fall in Erlangen, und geht wie das Hornberger Schießen aus. Die “Buyreuther” hoffen ohne weitere Nachfragen schnellstens aus der Sache rauszukommen. Was dagegen spricht: die unfaßbare Dämlichkeit, die man dann G. unterstellen müßte. Sowas Plumpes muß auffliegen. Übrigens scheint sich (3) der alternde Herr Professor in den adlig-schneidigen Jungtheodor durchaus “verliebt” zu haben: siehe seine “Pädagogischen Briefe an einen jungen Verfassungsjuristen” (2010). Würde ebenfalls passen. Bizarr.


O.
24.2.2011 10:42
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@”langjähriger Leser”

Kontakt zu Scientologen?

Naja, mit von der Leyen und Wulff haben wir Evangelikale (also christliche Fundamentalisten) nicht nur als Freundschaft zu Politikern, sondern als
Politiker im Amt. Und das sind Hardcore-Christen.
Die ganze Politik ist damit unterwandert. Säkularisierung?
Weit gefehlt.

Iran, der Gottesstaat als Vorbild. Indem man auf’s iranische Atomprogramm von denen Schimpft kann man verbergen, wo die Gemeinsamkeiten sind. Wer sich auf Gott berufen kann, darf alles. Man hat ja jemanden, auf den man die Verantwortung abschieben kann, auf den man sich letztlich berufen kann.
Hat auch Stasi-2.0-Schäuble so gemacht.

…die Liste ist lang.


anna_nym
24.2.2011 11:22
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“Anders als es die Uni Bayreuth da darstellt, ist das nicht normal. Ich kenne keinen einzigen Fall, in dem jemand seinen Doktor vor der Veröffentlichung erhalten hat.”

Doch, bei mir war es zum Beispiel so.
Nach der Disputation musste ich beim Prüfungsamt der Fakultät ein Schreiben von meinem Vorlag vorlegen, aus dem hervorgeht, dass ihnen ein druckfertiges Manuskript vorliegt und wann sie etwa gedenken, es zu publizieren. Damit konnte ich dann einen schriftlichen Antrag auf vorzeitiges Führen des Doktortitels stellen (mit einem Satz Begründung, dass ich berufliche Nachteile dadurch habe, wenn ich ihn nicht vorzeitig führen könne). Je nach Verlag kann es lange dauern, bis die Diss. dann tatsächlich gedruckt wird.

Ansonsten soll der Kalle mal schön zurücktreten. Es ist wirklicht schwer erträglich für mich. Als Wissenschaftlerin und als Bürgerin.


Hadmut Danisch
24.2.2011 11:24
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Welches Fach war denn das? Aus Informatik und Naturwissenschaften kenne ich sowas jedenfalls nicht.


squeeze
24.2.2011 13:24
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Das ist ja langsam widerlich, wenn ich das mit diesen “pädagogischen Briefen” lese. Ich hätte mir sowas verbeten. Na gut, ich hätte solche Post auch nicht bekommen 😉


O.
24.2.2011 13:28
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KTzG ist sehr vielseitig, er hat sogar auch eine Veröffentlichung zu “Development of Boolean Logic” geschrieben:

http://apps.pdos.lcs.mit.edu/scicache/855/scimakelatex.45635.Karl-Theodor+zu+Guttenberg.html

Hmhhh, naja, also, äääh….
…vielleicht war es ja doch bloß ein mit SCIgen generiertes Paper…

http://pdos.csail.mit.edu/scigen/

Mit solchen generierten Papers kann man übrigens – zumindest die rechnerbasiertenm – automatischen Paper-Prüfungen blenden.

Infos dazu auf der SCIgen-Seite.

Vielleicht gibt’s das ja auch für andere Fachbereiche als nur Computer Science…?! 🙂


koelneruwe
24.2.2011 14:49
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Ben
24.2.2011 15:13
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Dieser Theorie widerspricht, dass er die Beschuldigungen zunächst als “abstrus” bezeichnete. Wenn er die Arbeit wirklich selbst zusammenkopiert hätte, wäre er sich bereits zu diesem Zeitpunkt bewusst gewesen, dass er ein richtig großes Problem hatte. Seine so sichere Zurückweisung der Beschuldigung zeugt davon, dass er nicht wusste, dass die Arbeit ein einziges Plagiat war.

Ich bin mir sicher, er hatte einen Ghostwriter.

Ben


anna_nym
24.2.2011 15:42
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@ Hadmut Danisch: Philosophische Fakultät, Uni Kiel.


nurmalso
24.2.2011 16:12
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ob ein doktor vorzeitig geführt werden kann, bestimmt die promotionsordnung der jeweiligen fakultät. soweit ich das nachvollziehen konnte, sieht die prom.ordnung der juristischen fakultät an der uni buyreuth diesen fall vor. ist von uni zu uni und fachbereich zu fachbereich unterschiedlich.

das mit der zeitnot und dem darauf aufbauenden erklärungsversuch klingt möglich, aber nur weil es möglich klingt, muss es nicht so gewesen sein. die bundestags-gutachten bspw. passen zu gut in das thema, um bereits vorgelegen zu haben. die scheinen eher gezielt für diesen zweck in auftrag gegeben worden zu sein. auf den letzten drücker herangezogen, erscheint dann eher nicht plausibel.

ich denke auch nicht, dass man hier auf dummheit des barons spekulieren kann. am ende ist es wahrscheinlich nur die dreiste arroganz, mit sowas schon durchkommen zu können. und für einen moment sah es ja auch danach aus …


hannes
24.2.2011 18:01
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waybackmachine “zuguttenberg.de” vom okt.2006 (steht oben im Banner schon der Dr.)
dann “zur Person” klicken und unter “Biographie (bis 2002)” erscheint:

Studium der Rechts- und Politikwissenschaften, Prädikatsexamen, Promotion – Dr. jur.

Was die Kuhhandelthese stützen würde


hannes
24.2.2011 18:03
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ach ja, dpa von gestern:

Das vorläufige Führen des Titels wurde am 7 Mai 2007 genehmigt


koelneruwe
24.2.2011 19:52
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Hadmut Danisch
24.2.2011 19:54
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Pfffff…


mika
24.2.2011 21:26
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747.764,36 Euro waren übrigends die Spenden, die von Guttenberg zwischen 1999 und 2006 an die Uni Bayreuth geflossen sind.
Quelle: http://www.rp-online.de/politik/deutschland/Guttenberg-fehlte-Genehmigung-fuer-Texte_aid_968931.html


Granado
25.2.2011 6:34
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Der Verlagsvertrag soll aber zum vorzeitigen Führen des Titels vorgelegt worden sein.

Entzogen wurde dem Baron der Doktorgrad – aufgrund einiger Kriterien der Promotionsordnung – nach § 48 des Bayrischen Verwaltungsverfahrensgesetzes, nicht nach § 16 der Promotionsordnung “seiner” Fakultät. Der § 48 entspricht ziemlich dem § 45 SozialGesetzBuch (SGB) X: Zu Unrecht bezogene Leistungen (meist Geld) können zurückgefordert werden; gutgläubig bezogene können u.U. (z.B. weil verbraucht) behalten werden, außer bei vorsätzlicher Täuschung. Da der Baron zustimmte, musste “gutgläubig” und damit auch Täuschung nicht geprüft werden. Die Fälle nach § 45 SGB X bekommen übrigens in Zeitungsmeldungen gewöhnlich ununterschieden das Attribut “Sozialbetrug”.
Die Prüfung nach der Promotionsordnung zieht sich aber offenbar, verständlicherweise, noch hin. In dieser Fakultät enthält sie auch das Ehrenwort statt eidesstattlicher Versicherung in anderen Fakultäten derselben Universität.
Fällt der wissenschaftliche Charakter der “Dissertation” weg, entfällt auch die Berechtigung zu Großzitaten. Bei gewerblicher Urheberrechtsverletzung (naja, über 7 Jahre? an mehreren Autoren?) ist der Strafrahmen auch 5 statt 3 Jahren; aber dazu gehört natürlich noch die Aufhebung der Immunität. Neben Anzeigen der Betroffenen kommt auch “öffentliches Interesse” in Frage.
G. drohte mit Klage, wenn man von Plagiat spreche? Die Universität spricht sehr wohl von vorliegenden Plagiaten!
Unverhohlen auch Merkel: Der Verteidigungsminister hat die Linie vorgegeben, die von der Universität befolgt wurde, basta!


koelneruwe
25.2.2011 7:24
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Aber die Expertisen warenb kein Amtsmissbrauch:

http://www.neu-news.de/content/guttenberg-entkr%C3%A4ftet-vorw%C3%BCrfe


IR
25.2.2011 8:07
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Noch ein Beleg, wieso frage ich mich, schmückt er dann seine Homepage ab 22.Oktober 2006 mit diesem? FRAGEN über FRAGEN.
http://waybackmachine.org/20060501000000*/http://www.zuguttenberg.de/


Hadmut Danisch
25.2.2011 10:22
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Hört doch endlich mal mit diesen Links auf diese Pseudo-Ulk-Meldungen auf! Das nervt und ist kein bisschen lustig. Solchen Käse lass ich hier nicht mehr durch!


annarose
25.2.2011 11:50
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@Saskia Schwartz

“Wo ist Häberle?”

Häberle wird 2007 vom bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet.


fb
25.2.2011 11:55
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Meine Erfahrung an meiner Uni ist, dass alles, was eine Dissertation betrifft, penibel dokumentiert wird. Da muss das Prüfungsamt aktenkundig den Eingang der Pflichtexemplare etc. bestätigen. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass sich der Papierkram auf Weisung der Profs völlig umgehen lässt.

Gut, Argument aus persönlichem Unglauben, aber angesichts von Hadmuts Vermtungen ist die Frage ganz einfach: gibt es eine aktenkundige Abgabe eines Textes vor seiner Disputatio?

Kommt man da ran? Anfrage, Anzeige?


Jeeves
25.2.2011 12:04
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Frau Merkel würde sagen: “Das macht Sinn”. Ich sage: Die Vermutung ist sinnvoll.


Hadmut Danisch
25.2.2011 12:16
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@fb: penibel dokumentiert? Quatsch!

Als sie meine Diss damals abgelehnt hatten, weil es zum Streit kam, habe ich die Akteneinsicht erzwungen und dabei festgestellt, daß das Prüfungsamt der Universität in der Prüfungsakte zu meiner Promotion schon vorab das Datum und „Bestanden” eingetragen hatte, nur das Feld für die Note war noch offen.


[…] Kuhhandel statt Ghostwriter? […]


Thomas
25.2.2011 20:22
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@hannes, IR:
Warum ab Juni 2006 der Dr. Im Titel der archivierten Homepage auftaucht fragt ihr besser die Wayback-Leute:
Wenn man die Grafik genauer “anschaut”, hat die header_01.jpg im Pfad ein “20070613” stehen, ist also nicht im Juni 2006 gespiegelt worden sondern erst im Juni 2007…


Granado
26.2.2011 2:04
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“Wie beispielsweise hier zu lesen ist, hat zu Guttenberg seine Promotionsurkunde – und damit den Doktor – schon direkt nach der Prüfung am 27.2.2007 erhalten.”
“hier” hat sich geändert. “erhalten” -> beantragt (erhalten: Mai)
http://www.nordbayern.de/guttenberg-fuhrte-doktortitel-zunachst-nur-vorlaufig-1.1020467
Wieso konnte die Bibliographie 2007/2008 fortgeführt werden? (habe ich irgendwo aufgeschnappt, nicht nachgeguckt)


oskar_hamm
26.2.2011 10:28
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Na ja… Du baust Deine Argumentation zu einem Teil auf den zeitlichen Abstand zwischen Disputation und Veröffentlichung der Arbeit: Warum liegen dazwischen zwei Jahre, wenn die Arbeit doch eigentlich “summa cum laude” war? Deine Antwort: Die Zeit lässt sich dadurch erklärren, dass die Arbeit erst während dieses Zeitraums geschrieben wurde!

Das von Dir aufgeworfeme Szenario ist nicht undenkbar, und es hat durchaus den Reiz des Skandalösen. Allerdings ist es nicht das einzige Szenario, und bei weitem nicht das wahrscheinlichste.

Hier meine Geschichte: Doktorarbeit entstand im Rahmen eines DFG-Projektes. Disputation fiel mit dem Ende des Projektes zusammen, danach Anstellung als Lehrkraft für besondere Ausbeutung. Die Doktorarbeit war auch ein “summa”, aber sie ruhte ebenfalls für knapp zwei Jahre, bis sie veröffentlicht wurde. Einerseits ging ich davon aus, dass die notwendigen kleineren Änderungen ebenso schnell gehen würde wie die Anpassungen an das Verlagsformat, andererseits ließ ich die Arbeit erst einmal komplett ruhen, da die Promotionsphase selbst doch ziemlich hart gewesen war, und schließlich war dir LfbA-Stelle unglaublich zeitfressend.

Ergebnis, wie beim Guttenberg: Deutlicher zeitlicher Abstand zwischden Disputation und Publikation, trotz “summa”. Auf den Titel habe ich allerdings bis dahin gewartet.

Unter Anwendung von “Occam’s razor” erscheint mir die von Dir entworfene Erklärung etwas, entschuldige den Ausdruck, “abstrus”. 🙂 Wahrscheinlicher finde ich, dass der Guttenberg als nachweislich miserabler Wissenschaftler keinerlei Bedürftnis verspürt hat, sich in irgendeiner Form weiter mit seiner Dissertation zu beschäftigen und dies so lange wie möglich herausgeschoben hat. Den Titel hatte er ja schon: Dafür hat sein voll in das Bild des Karriere-Doktoranden passender Antrag auf Vorabverleihung ja gesorgt. Siehe hierzu ja den Hinweis der Kommentatorin oben, dass es durchaus auch andere Promotionsordnungen gibt, die einen Verlagsvertrag als ausreichend für die Ausstellung der Urkunde ansehen. Das ist nicht Bayreuth-spezifisch.

Den Zusammenhang zwischen der Rhön-AG und seiner Note kann und will ich an dieser Stelle nicht beweeten.


Hadmut Danisch
26.2.2011 10:56
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@Oskar Hamm: Ich habe ja auch nicht gesagt, daß es so war, sondern daß mir der Verdacht kommt.

Die Aufklärung von solchen Vorgängen geschieht heute – wie ja auch die Plagiatsstellen zeigten – am besten und effektivsten kollektiv, durch Kooperation. Insofern halte ich es durchaus für vertretbar, eine Hypothese, die ja nun auch nicht abwegig oder aus der Luft gegriffen ist (zumal ich ja schon solche Fälle beobachtet habe), zur Diskussion zu stellen. Der Blog-Artikel wurde ja auch durchaus häufig in anderen Blogs und Foren verlinkt und zitiert, hat also durchaus eine Diskussion angestoßen.

Auch die von anderen aufgeworfene Variante, daß an der Dissertation seine Frau mitgeschrieben hat (sie also der gesuchte Ghostwriter ist), ging mir irgendwann mal durch den Kopf, dafür hatte ich aber so gar keine Hinweise. Andere haben dafür aber welche gefunden. Und das ist ja in der Kriminalistik durchaus legitim und angemessen, verschiedene Theorien und Varianten durchzuspielen und sie zu verifizieren oder falsifizieren. Zumal man sich zu Theorien, die auf dem „großen Unbekannten” beruhen immer noch eine Variante überlegen sollte, die ohne den auskommt.

Du machst aber eine Denkfehler: Du erklärst, daß es eine andere, höherwahrscheinliche Erklärung für die Verzögerung zwischen Prüfung und Veröffentlichtung gibt. Damit hast Du sogar Recht, wenn man nur die Verzögerung betrachtet. Aber das ist hier gar nicht das zu lösende Problem.

Die Frage ist hier ja nicht, wie die Verzögerung entstand, sondern wie es zum Plagiat kam. Und dafür habe ich eine Hypothese geliefert, für die die Verzögerung ein plausibles Indiz ist. Die Verzögerung rückt damit in die Position einer Erklärung und nicht des zu Erklärenden.

Ist zu Guttenberg der Schwindler und Hochstapler, für den in alle halten (und woran ich keinen Zweifel habe), der von vornherein auf eine Fälschung durch Plagiat aus war, sehe ich allerdings einen Grund für und einen gegen die Verzögerung. Gegen die Verzögerung spricht, daß Hochstapler in der Regel sehr fleißig und sorgfältig sind, was ihre Legende angeht. Ein Hochstapler würde dafür sorgen, daß alles wie geleckt aussieht und damit die Dissertation, wenn sie denn durch die Prüfer durchging, sofort gedruckt ist, damit das Ding abgeschlossen ist.

Für eine bewußte Verzögerung spräche allerdings, daß jemand, der weiß, daß die Diss erkennbar faul ist, sie erst dann in den Regalen haben möchte, wenn kein Hahn mehr danach kräht. Das würde allerdings bedeuten, daß der „Täter” weiß und sich bewußt ist, daß die Arbeit nicht tageslichttauglich ist, was wiederrum auf eine Beteiligung der Prüfer schließen läßt.

Alles nicht so einfach. Ich kann mir gut vorstellen, daß das dicke Ende da erst noch (ans Licht) kommt.


[…] noch ein paar interessante Links zum Thema: forschungsmafia.de – Kuhhandel statt Ghostwriter? Spiegel Online – Zweite Guttenberg Arbeit unter verdacht inkvine.de – Guttenberg und […]


koelneruwe
26.2.2011 13:24
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“Gegen die Verzögerung spricht, daß Hochstapler in der Regel sehr fleißig und sorgfältig sind, was ihre Legende angeht.”
Das wäre mit der adligen Arroganz erklärbar.


koelneruwe
28.2.2011 15:23
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JJ
1.3.2011 23:24
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… was gegen diese sonst sehr plausible Möglichkeit spricht: Wäre dieser Kuhhandel zeitgleich mit der Blitzkarriere von KTG über die Bühne gegangen, hätte man damit rechnen MÜSSEN, dass eine solche Dissertation eines Politstars von dritter Seite unter die Lupe genommen werden wird (wie es ja auch geschah).

KTG wäre nie so markig aufgetreten, hätte er gewusst, was für eine fette Leiche er im Keller hat. Sein ganzes Verhalten nach der Entlarvung, mit dem er sich um die Zweitkarriere gebracht hat, ist nur so erklärbar, dass er es selbst bis dato nicht gewusst hat.

Für mich gibt es nur zwei Möglichkeiten: ein Ghostwriter, der sich mit den Interna der Uni Bayreuth auskennt und weiß, dass die Dissertation durchgewinkt werden wird – und daher beschließt, es sich einfach zu machen. Oder ein Ghostwriter mit Erpressungsabsicht. Und entweder ist der Mann tot, unerreichbar oder KTG hat ihm bis vor kurzem noch vertraut.

In jedem Fall ein Riesenschaden, für die CDU, aber auch für die Politik als Ganzes. Ein Bilderbuch-Fall zum Thema “Narzissmus”. Und ein großartiger Filmstoff.

JJ


Peter Zipperling
2.3.2011 10:22
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Hadmut Danisch
2.3.2011 10:28
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@JJ: Nicht unbedingt. Wenn das dort der übliche Weg ist und Guttenberg trotz Kuhhandels überzeugt war, „normal”, also so wie alle, zu handeln (und es wird im deutschen Promotionswesen unglaublich viel gefälscht, kopiert und gelogen), dann würde sein Verhalten dazu passen.

Und vielleicht hat er es auch einfach verdrängt. Wer so hochgejubelt wird wie der, der muß am Ende selbst glauben, daß er fabelhaft ist, und von Kritik überrascht sein.


DeeKay
3.3.2011 2:53
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Interessante Theorie! 😉 Aber ich glaube nicht daran. in der Fragestunde im Bundestag behauptete er, dass er bei der Uni nen Antrag zum vorzeitigen Führen des Doktortitels gestellt habe. Und wenn sie das bewilligen (was sie wohl haben), dann hat er ja schon was er will, und plötzlich ist die Buch-Veröffentlichung nicht mehr so wichtig, so dass man es vergisst bei all den Foto-Love-Storys und BILD-Reportagen und es dann kurz vor knapp schnell noch macht…
Ich glaub ihm ja sonst nur sehr wenig, aber dass er’s gar nicht erwarten konnte, seinen Doktortitel zu tragen und deshalb nen extra Antrag gestellt hat glaub ich halt blind, das passt so perfekt zu dem Narzisten! 😉


Erich Richter
3.3.2011 16:15
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Die ganze Berliner Reichstagsgilde ist ein verlogener-verschworener
Haufen Sch….Bestes und gravierendes Beispiel ist die Klimapolitik !
[wurde von der Redaktion zensiert, diesen Tonfall will ich hier nicht haben]
Obwohl mehr als eindeutig bewiesen, dass es keine vom Menschen verursachte Klimaerwärmung gibt, halten alle an diesem Märchen fest.
Zu Gunsten eines dem Anschein nach riesigen Geschäftsvollumens bezüglich der erneuerbaren Energien, die in Wirklichkeit ein Subventionsgrab sind.
Zu Gunsten vor allem der globalen Player aber zum Nachteil aller Bürger der EU, welche Kosten in Billionenhöhe zu tragen haben.
Dagegen ist dieser Doktorwirbel eher lachhaft. Aber auch hier ergeben
sich ja, wie man gerade hier lesen kann, zig Verquickungen und Vorteilnahmen…bei uns würde man sagen Knüngelleien.
Es würde mich nicht wundern, wenn sich diese Angelegenheit in einen Handfesten Korruptionsskandal verwandeln würde.

Erich Richter


Hadmut Danisch
3.3.2011 16:27
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@Erich Richter: Das halte ich für nicht richtig.

Das Leugnen der menschverursachten Klimaerwärmung würde ich nach meinem bisherigen Kenntnisstand eher als Legende amerikanischer Industrieinteressenkreise ansehen.


Gegen Bildungselitismus, für POLITISCHE Kritik an Guttenberg und für SELBSTkritik des Wissenschaftsbetriebs

http://theoriealspraxis.blogsport.de/2011/03/04/gegen-bildungselitismus-fuer-politische-kritik-an-guttenberg-und-fuer-selbstkritik-des-wissenschaftsbetriebs/